Schöne Wörter

Eine neue Rubrik heißt schöne Wörter, die ein bisschen in Vergessenheit geraten sind. (Vieles zitiert aus dem Buch "Lexikon der schönen Wörter" von Walter Krämer und Roland Kaehlbrandt) Eine Auswahl:

obliegen

Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern UND die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. (Grundgesetz, Artikel 6)

Pflichten obliegen den Eltern. Was uns obliegt, das hat Gewicht. Daran erinnert auch der etwas altmodische aber treffgenaue Ausdruck der Obliegenheiten.

 

Amt
Wem der Herr ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand

Wenn wir auf der Skala der menschlichen Tätigkeiten ganz links den Job platzieren, so steht ganz rechts das AMT. Der Job wird gemacht, das Amt wird bekleidet, getragen oder ausgefüllt. Dieser Unterschied wird im gegenwärtigen Sprachgebrauch allerdings gern ins Gegenteil verkehrt, indem nämlich die Tätigkeit eines Amtsträgers dadurch gelobt wird, dass man ihm bescheinigt, er habe "einen guten Job" gemacht, als sei die Arbeit im Staatsdienst überhaupt nur mit Worten aus dem Bereich flüchtiger Beschäftigung positiv zu beschreiben. Ein Armutszeugnis.
Wir füllen unser Amt aus.

Andacht, andächtig
Fern von Eitelkeit und innerm Trug,
Nahe dich mit Andacht jedem Buch,
Wo des Herzens stille Wahrheitskraft
Neu die Welt der Liebe sich erschafft.
Friedrich Schlegel "Andacht"

Andacht umfasst eine Mischung aus Respekt und innerer Sammlung, aber doch ganz anders. Denn um wie viel gefühlvoller und eindringlicher als der Respekt ist die Andacht. In beiden lebt die Achtung. Achtung ist tief empfunden. Die Andacht auch, nur hat sie nichts von der Einschüchterung, die ein wenig dem Respekt anhaftet. Respekt wiederum ist Achtung ohne Liebe, ohne Hingabe. In der Andacht dagegen, in der andächtigen Haltung steht der Mensch aus eigenem Willen einem äußeren Gegenstand gegenüber. Und zugleich verwandelt er ihn sich an. Wer etwas mit Andacht tut, veredelt das Getane, gibt selbst profanen Dingen eine Weihe. In diesem Sinne wünschen wir uns, dass unsere Schüler der Schöpfung mit Andacht begegnen können. Dabei wollen wir Vorbild sein.

aneignen
Dieser, sowenig er von Bildern verstand, war doch in dem einen ein guter und geschulter Galeriediener, dass er sich die schwere Kunst, "nicht zu stören", all seiner sonstigen Plauderhaftigkeit zum Trotz angeeignet hatte. (Theodor Fontane: "Graf Petöfy")

Wer sich etwas aneignet, macht es sich zu eigen, zum Teil seiner selbst. Was wir uns aneignen, das soll bleiben. Das Aneignen ist das Gegenteil einer flüchtigen Inbesitznahme oder eines kurzfristigen Lernens auf eine Klassenarbeit. Unsere Schüler eignen sich das Lesen, Schreiben und Rechnen an.

Sorgfalt
Haben Sie die Güte, Ihre Sorgfalt diesem Geschäft fernerhin wie bisher zu gönnen
Johann Wolfgang von Goethe an Frommann, 1827

Etwas mit Sorgfalt zu tun vermittelt ein gutes Gewissen. Man nimmt sich die Zeit, man bereitet die Erfüllung einer Aufgabe sorgfältig vor, man beachtet jede Einzelheit, man feilt an einzelnen Stellen weiter bis zur Perfektion, man tritt anschließend einen Schritt zurück und betrachtet sein Werkstück mit dem unvergleichlich guten Gefühl, eine sinnvolle Aufgabe gewissenhaft erfüllt zu haben. So arbeiten zu können, wünschen wir uns in unserer Schulgemeinschaft. Egal ob dies ein sichtbares oder geistiges Werkstück ist...

tüchtig
Du warst heute eine tüchtige Schülerin.
Frau Klöck zu Jule nach dem Unterricht.

Welch ein schönes Kompliment für eine Schülerin. Sie hat wohl ihre Aufgabe mit Können und Fleiß gemeistert.

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